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13-02-17-Grundierung

Die Verheißung der Perikope liege in der „Verwandlung der Erfahrung“, meinte Anne M. Steinmeier in GPM 2/2007.

„Der verraten hat, wird stärken.

Nicht trotzdem, nicht entgegen, sondern durch diese Erfahrung hindurch,

in der Umwertung dieser Erfahrung und in diese Sinne wegen.“

Hahnenschrei unter: www.youtube.com/watch?v=ukq9vFtdIAU
Was löst er aus?

Vor dem Hahn müsse man sich fürchten, meint Kathrin Oxen in GPM 2/2013.
„Es geht um Liebe,
um Tod
und um den Teufel.“



13-02-17-Predigt zu Lukas 22,31-34

1. OB ES JETZT GLEICH KRACHT UND BLITZT
„Lass den Satan wettern und die Welt erzittern …“

Wenn es kracht und blitzt in unserm Leben,
wenn Erde und Abgründe brummen
- dann, liebe Gemeinde, dann war der Teufel am Werk, der Satan.
So jedenfalls haben wir gerade gesungen.
Und genau so beginnt auch der biblische Text
für die Predigt am ersten Sonntag der Passionszeit 2013:

Zweite Stimme:
„Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.“


Unbestreitbar:
    unsre Welt erzittert,
    es kracht und blitzt,
    der Abgrund brummt,
    wir werden geschüttelt und gesiebt wie Getreide.

Aber:
    Jesus, meine Freude steht mir bei,
    unter seinen Schirmen bin ich vor den Stürmen frei,
    trotz des alten Drachens singe ich in sichrer Ruh´.



Bloß: wie soll das gehen,
wie soll dieser Umschwung funktionieren,
wie wird aus der Lebenskrise eine Chance?

2. NICHT ANGST, SONDERN VERZWEIFLUNG
Das erzählt der biblische Text für die Predigt
am ersten Sonntag der Passionszeit 2013:

Zweite Stimme:
„Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
Er aber sprach zu ihm:
Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen.
Und in den Tod!
Er aber sprach: Petrus, ich sage dir:
Der Hahn wird heute nicht krähen,
ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.“

“Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen!”
Mir wird es mulmig, wenn ich diesen Jesussatz höre.
Adressat ist Petrus, der “Apostelfürst”,
der Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte.
Ehe der Hahn kräht, wird dieser Mann dreimal leugnen.
Dreimal leugnen, Jesus überhaupt zu kennen.
Dreimal wird er sagen: “Ich kenne diesen Menschen nicht!”
Vorher allerdings wird er noch einmal zuschlagen,
Simon Petrus.
Die Maler haben ihn gern als muskulösen älteren Mann dargestellt.
Als die Soldaten Jesus festnehmen, schlägt er zu - mit dem Schwert.
Und schlägt einem Soldaten das Ohr ab,
dann flieht er, dann erst verleugnet er dreimal.
Und dann kräht der Hahn.
Ganz früh am Morgen wahrscheinlich, bevor die Hähne zu krähen beginnen.
Und Simon Petrus heult, schluchzt, “weint bitterlich”, wie Luther übersetzt.
Ehe der Hahn kräht ...
Bei mir löst der Satz immer wieder eine Gänsehaut aus.
Denn Jesus verraten - das hat die Kirche getan.
Nicht einmal, tausendfach.
Verrat fast auf der ganzen Linie.
Auf den Scheiterhaufen, in den Kreuzzügen, auch in den beiden Weltkriegen.
Meistens waren Vaterland, die eigne Macht,
das Schwert wichtiger als der Herr Jesus.
Der hatte ja für die letzte Gewaltaktion seines Petrus nur einen Satz übrig:
„Steck dein Schwert ein!”

...
Warum aber leugnet Petrus?
Warum lügt er?
Warum bekennt er sich nicht zu Jesus - nach dessen Verhaftung?
Warum eigentlich?
Nahe liegend wäre: Angst.
Aber ich glaube nicht, dass Petrus solch große Angst hatte.
Natürlich waren Anhänger von politischen Verbrechern
- und als solcher wurde Jesus gefangen genommen und hingerichtet -
natürlich waren Sympathisanten von politischen Verbrechern
selbst hochgradig gefährdet.
Wer sich mit einem Gekreuzigten solidarisiert,
macht sich selbst verdächtig - in den Augen des römischen Militärs.
Und sei es bloß, weil er weint, heult oder schluchzt.
Aber ich glaube nicht, dass Petrus Angst hatte.
Nein, ich muss es anders sagen.
Natürlich hatte er Angst.
So wie jeder Mensch Angst hat vor Schmerzen, vor Krankheit
und erst recht vor Folter und Hinrichtung.
Ich vermute aber,
es war nicht seine Angst, die ihn Jesus verleugnen ließ.
Mit seiner Angst konnte Petrus offensichtlich umgehen,
zum Beispiel als er dem Soldaten das Ohr abschlug.
In den romanischen Sprachen klingt in Petri Namen
das „Felsige“, das Draufgängertum noch an:
Pierre, Pietro, Pedro - das klingt tatsächlich nach Fels.
Im Deutschen klingt „Peter“ immer so ein bisschen wie „Peterchen“.
Nein, es war nicht die Angst, denke ich, die Schimon Petrus leugnen ließ,
es war viel schlimmer:
    Er hatte den Glauben verloren, der Draufgänger, der starke Mann,
    den Glauben und die Hoffnung.
    Er hat nicht mehr an das geglaubt, was Jesus gelebt und gesagt hat:
    dass Frieden auf der Erde entstehe

- ohne die Anwendung von Gewalt, im Gegenteil: durch die
Überwindung von Gewalt.
Nein, daran hat er nicht mehr geglaubt, der Schwertträger
- nach Jesu Verhaftung.
Dass den Sanftmütigen die Erde versprochen ist,
- auch darauf hat er gar nicht mehr vertraut, der Fels, auf den
Jesus seine Kirche bauen wollte.
„Das macht jetzt keinen Sinn mehr,
wenn ich mich jetzt auch gefangen nehmen lasse,
wenn auch ich hingerichtet werde am Kreuz,
das macht keinen Sinn mehr,
jetzt wo er, unsere Hoffnung, stirbt.“
So etwa dachte Petrus - stelle ich mir vor.
Nicht aus Angst hätte er dann gesagt: „Ich kenne diesen Menschen nicht!”
Nein: aus Verzweiflung!
Handlungsunfähig wurde er nach Jesu Verhaftung.
Er gibt die Sache Jesu auf …
und ...
sich selbst.
„Das macht keinen Sinn mehr.“

3. “MIT UNSRER MACHT IST NICHTS GETAN.“
Und wenn wir unsre heutige Szene so verstehen,
dann verstehen wir auch die merkwürdige Rede Jesu:

Zweite Stimme:
„Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

Die Anhänger Jesu werden durchgeschüttelt, dass sie jeden Halt verlieren
- wie im Sieb hüpfende Weizenkörner.
Was Jesus dem gewaltigen Petrus hier prophezeit,
ist die Krise, in die Christen kommen,
in die sie kommen können, vielleicht sogar kommen müssen.
Warum?
Weil der große Traum der Bibel ganz anders wahr wird,
als oft auch gläubige Menschen es sich vorstellen.
Das Leben gelingt nicht einfach so,
nicht reibungslos, nicht konfliktfrei.
Im Gegenteil.
Dazwischen, zwischen unseren Träumen und der Realität
dazwischen steht das Kreuz, an dem einer hängt und schreit und fragt,
warum Gott ihn verlassen hat.
Luther hat diese Krise im zweiten Vers seines berühmten Liedes
„Ein feste Burg“ so beschrieben:
„Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!“
Und genau das ist es, was der Petrus erleben musste:
dass mit seiner Macht nichts, überhaupt nichts zu machen ist,
mit seinem Schwert nicht, mit seiner ganzen Power nicht:
Singen wir den zweiten Vers von „Ein feste Burg“:

Liedvers in der Predigt: EG 362,2/RG 32,2
(Ein feste Burg, T+M: Martin Luther)
“Aber” sagt Jesus,

Zweite Stimme:
„Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“

Ich habe für dich gebetet.
    Ich habe an dich gedacht,
    dich nicht vergessen
    und dich nicht aufgegeben,

als du dich schon aufgegeben hattest.
Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt.
Luther sah das ganz ähnlich:

Zweite Stimme:
„Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren,
es streit´ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.”
Wer der ist?
Jesus Christ. Er hat für Petrus gebetet.

4. STÄRKE DEINE SCHWESTERN UND BRÜDER
Und dann,
    nachdem du durchgeschüttelt wurdest,
    nachdem du deine Krise durchlebt hast und überstanden hast
- nicht aus eigener Kraft,
durch die mystische Kraft des Gebetes eines anderen,
dann stärke die anderen!
Dann, wenn du die Depression durchlebt hast,
wenn du in dir keinen Helden mehr sehen musst,
keinen Sieger, dann wirst du andere stärken.
Dann, wenn du nicht mehr meinst, der „Apostelfürst“ sein zu müssen,
so ein wuchtiger Typ,
dann wenn du zum zweiten Mal wirklich eingebrochen bist
- wie damals, als du wie Jesus auf dem Wasser gehen wolltest -,
dann stärke deine Freundinnen und Freunde!
Denn dann verstehst du sie,
auch in ihrer Verzweiflung.
Und versteht er sie, der Schimon-Petrus,
versteht er die Botschaft Jesu?

Nichts versteht er,
jetzt, in unserer heutigen Geschichte am Beginn der Passionzeit.
Wie ein Fels im Meer der Jesusworte.
Trotzig knallt er Jesus entgegen:

Zweite Stimme:
Petrus „aber sprach zu ihm:
Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen.
Und in den Tod!“
Da hilft nur noch der Satz mit dem Hahn.

Zweite Stimme:
„Der Hahn wird heute nicht krähen,
ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.“

Die Hähne, wo es noch welche gibt, krähen jeden Morgen ...
Und Friede, Gottes Recht und Sanftmut werden täglich verraten.
Vielleicht, weil viele meinen, gar nicht anders zu können,
als sich den vermeintlichen Sachzwängen zu beugen:

Zweite Stimme:
„Bück dich hoch! Komm steiger den Profit!
Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!
Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!
Bück dich hoch! Auch wenn es dich verbiegt!
Bück dich hoch! Komm steiger den Profit!
Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!
Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!
Bück dich hoch! Bück dich hoch, ja!“1

Die Hähne krähen jeden Morgen ...
Und Friede, Gottes Recht und Sanftmut werden täglich verraten.
Da sollten wir uns nichts vormachen.
Über die andern nicht, über uns nicht.
Aber: es gibt da einen, der
die Verräter zum Weinen bringt
und für sie betet, dass ihr Glaube nicht erlischt.

Es gibt einen, der die Harten weich macht,
der Stärke und Schwäche miteinander versöhnt.
Es gibt einen, der die nicht fallen lässt, die
ihren Verrat erkennen und darüber weinen.
Vielleicht auch darüber, wie sie sich hoch bücken und verbiegen.
Gerade ihnen sagt er:
Wenn du selbst nichts mehr sein musst,
wenn´s soweit ist, dass du dir nichts mehr beweisen
und den andern nichts mehr vormachen musst,
dann stärke deine Schwestern und Brüder!

Dann.
Amen.



13-02-17-Liturgie

Eingangs- und Wochenlied I: EG 362,1/RG 32,1
(Ein feste Burg, T+M: Martin Luther)

Wochenpsalm 91,1-4.11-12

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.

+ Gemeinde: EG 380,1/RG 746,1
(Ja, ich will euch tragen, T: Jochen Klepper/M: Samuel Rothenberg)

Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

+ Gemeinde: EG 380,1/RG 746,1
Über Löwen und Ottern wirst du gehen
und junge Löwen und Drachen niedertreten.
»Er liebt mich, darum will ich ihn erretten,
er kennt meinen Namen,
darum will ich ihn schützen.
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören,
ich bin bei ihm in der Not,
ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
Ich will ihn sättigen mit langem Leben
und will ihm zeigen mein Heil.«

+ Gemeinde: EG 380,1/RG 746,1

Kyrie
Dass ich getragen werde
auf den Wegen, die ich gehe ...
schwer zu glauben!
...
Hilf meinem Unglauben, Gott,
sei mir gnädig und erbarme dich,
um deiner Güte willen!

Gnadenwort
Ach Gott,
in unserem Fragen
und in unserem Zweifeln ...
lass du uns
den Grund des Lebens spüren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
unsern Bruder und Herrn.

Lesung: Matthäus 4, 1-11 (Evangelium)

Lied vor der Predigt: EG 396,1-3/RG 659,1-3
(Jesu, meine Freude, T: Johann Franck/M: Johann Crüger)

Liedvers in der Predigt: EG 362,2/RG 32,2
(Ein feste Burg, T+M: Martin Luther)

Lied nach der Predigt: EG 362,3-4/RG 32,3-4
(Ein feste Burg, T+M: Martin Luther)

Fürbitten
Gnädiger und in allem mächtiger Gott,
ach, wickle deinen „Segen gar zart und künstlich ein“ 2
für diesen erwählten blauen Planeten,
„für Luft und Wasser und Boden und Wälder,
für Tiere und Pflanzen,
für uns Menschen und das, was
wir in unserem Wahnsinn tun.“ 3
Gnädiger und in allem mächtiger Gott,
bleib mit deinem Schutz
    bei Kranken und bei Sterbenden,
    bei Hungernden und Flüchtlingen
    bei Gefangenen und ihren Angehörigen,
    und bei allen, die Angst haben.

Gnädiger und in allem mächtiger Gott,
bleib mit deiner Treue
    bei uns - in Angst und in Zuversicht,
    in den Widersprüchen unseres Lebens,
    wenn wir uns und anderen etwas vormachen
    und wenn wir weinen, weil wir eingebrochen sind mit unsrer Macht.

Gnädiger und in allem mächtiger Gott,
bleib mit deinem Glanz bei uns,
    wenn wir an Glanz verlieren,
    wenn wir alles andere als glänzend dastehn,
    wenn deine Welt uns grau in grau erscheint.

Nach einer Weile der Stille beten wir.

Vater unser
Schluss- und Wochenlied II: EG 347/RG 342
(Ach bleib mit deiner Gnade, T: Josua Stegmann/M: bei Melchior Vulpius)

Segen



1 www.songtextemania.com/buck_dich_hoch_songtext_deichkind.html
2 Matthias Claudius, EG 508,2
3 Manfred Josuttis, Erleuchte uns mit deinem Licht, Gütersloh 2009, 79

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