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13-03-31-Grundierung

Das Gespräch vom 14. März im Abendmagazin DAS!, in dem die Chemie zwischen Riemann und Moderator Hinnerk Baumgarten (45) sehr offensichtlich nicht stimmte, war in wenigen Tagen zum Internet-Hit geworden. Allein ein Zusammenschnitt bei Youtube verzeichnete fast eine Million Klicks.“
(www.sueddeutsche.de/medien/katja-riemann-zum-ndr-interview-ich-versuche-bislang-es-zu-begreifen-vergebens-1.1629746)

Die Süddeutsche behauptete am 20. März 2013, vordergründig sei die Schauspielerin an einen stupiden TV-Moderator geraten, eigentlich aber gehe es um mehr viel mehr. Zu unsrer Unterhaltung rühre der Moderator nichts „Grelles an, sondern die handelsüblich zynische Melange aus Schleimerei, Ahnungslosigkeit, Überheblichkeit und Desinteresse.“

Stellen Sie sich vor, Maria Magdalena würde von einem heutigen TV-Moderator nach dem ersten Ostermorgen befragt!



13-03-31-Predigt zu Johannes 20,11-18

1. MARIA MAGDALENA IM FERNSEHEN
Zweite Stimme:
„Maria aber stand draußen …“

Welche Maria?
Maria Magdalena, liebe Gemeinde,
Mirjam aus Magdala, einem Dorf am See Genezareth,
nicht aus dem Städtchen Magdala in Thüringen.
„Madeleine“ sagen die Franzosen zu Maria Magdalena,
„Maddalena“ die Italiener.
Wer diese Mirjam war?
Darüber wird seit bald 2000 Jahren gestritten.
Heute würde irgendein Moderator Maddalena in eine Talkshow einladen.
Und ihr mehr oder weniger dumme Fragen stellen
und nicht selten auch indiskrete.
Weil das Publikum genau danach dürstet - angeblich.
Vor kurzem musste die Schauspielerin Katja Riemann
zu NDR-Moderator Hinnerk Baumgarten,
um für ihren neuen Film zu werben.
Sie lachte, sie krampfte,
manche Fragen des Moderators wollte sie nicht beantworten.
Die Bild-Zeitung verlieh ihr prompt den Titel:
lustloseste Interview-Partnerin des Jahres.
Nach dem Schmäh der Bild-Zeitung sperrte die Schauspielerin
schließlich ihren Facebook-Account.
Und das Gästebuch ihrer Homepage.
Mehr als 15 000 Kommentare, E-Mails und Gästebucheinträge
erhielt Katja Riemann zu ihrem TV-Auftritt im NDR.

Wonach ein heutiger Moderator
unsre biblische Maria Magdalena fragen würde?
Natürlich: nach ihrem Liebesleben.
„Rubens, Riemenschneider und Tizian haben Sie gemalt“,
würde ein Moderator heute fragen,
„gemalt als große und schöne und sinnliche Frau,
halbnackt gelegentlich.
Sie galten als die >großen Sünderin< aus dem Lukasevangelium!
Eine Frau mit schlechtem Ruf, die in eine Gesellschaft hereinplatzt
und Jesu Füße mit teurem Öl salbt,
sie mit ihren Tränen netzt
und mit ihrem langen Haar trocknet.
Eine sehr sinnliche Szene, liebe Maria Magdalena!
Waren Sie eine sinnliche Frau?“

So fragen heutige Moderatoren.
Um uns, das Publikum, zu unterhalten!
Ich kann mir gut vorstellen,
dass Madeleine ähnlich reagiert hätte wie Riemann.
Ich bin mir sogar ziemlich sicher:
auch sie hätte einen so genannten „Nörgel-Auftritt“ hingelegt.

„Waren Sie eine sinnliche Frau?“

„Was soll das?
Wen geht das denn was an?
Darüber werde ich nicht reden!“

So eine Antwort könnte ich mir durchaus vorstellen.
Und selbstverständlich würde ein heutiger Moderator nicht locker lassen
und zum Beispiel sagen:
„Nun hat in unseren Tagen
Dan Brown in seinem Bestseller „The Da Vinci Code“
Ihnen und Jesus ein gemeinsames Kind unterstellt.
Und das Buch wurde weltweit etwa 50 Millionen mal verkauft.
Stimmt das mit dem Kind?
Waren Sie Jesu Freundin?“

Wahrscheinlich wäre Maddalena an dieser Stelle aufgestanden
und hätte das Fernsehstudio verlassen.

2. LUISE RINSER: MIRJAM
Und doch würde ich Madeleine gern fragen, wer sie war.
Und wie das war.
Damals am ersten Ostermorgen.
Schließlich ist sie die erste Zeugin der Auferstehung.
Hören Sie die biblische Geschichte für die Predigt an Ostern 2013:

Zweite Stimme:
„Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.
Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab
und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
einen zu Häupten und den andern zu den Füßen,
wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du?
Sie spricht zu ihnen:
Sie haben meinen Herrn weggenommen,
und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Und als sie das sagte,
wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht,
dass es Jesus ist.
Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du?
Wen suchst du?
Sie meint, es sei der Gärtner,
und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen,
so sage mir, wo du ihn hingelegt hast.
Dann will ich ihn holen.
Spricht Jesus zu ihr: Maria!
...
Da wandte sie sich um
und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!,
das heißt: Meister!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an!
Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.
Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen:
Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater,
zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern:
Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.“

Ja, ich gebe zu,
ich würde Maddalena gern fragen, wie das damals war.

Zweite Stimme:
In dem Olivenhain, in dem das Grab lag,
da sah ich zwischen den Bäumen einen Mann.
Der Mann war kein Soldat, jedenfalls ein Waffenloser.
„Er kam näher. […]
Als er noch näher kam,
hielt ich ihn für einen Arbeiter, einen Gärtner.
Doch zu so früher Stunde?“1

So lässt Luise Rinser Maria Magdalena reden.
In Ihrem Roman „Mirjam“ - eine Art fünftes Evangelium.
Luise Rinser lässt ihre Madeleine unsicher sein
und ihr Herz heftig schlagen.
Als Jesus sie anspricht, spürt sie:
Zweite Stimme:
„Das war seine Stimme.
Da erkannte ich ihn. Rabbi!
Ich fiel ihm zu Füßen
und lachte und weinte in einem
und war außer mir vor Freude.“

Als Mirjam jedoch Jesu Knie umfassen wollte - so immer noch Luise Rinser -,
sei Jesus zurückgewichen.
Zweite Stimme:
„Nicht so, Mirjam,
so nicht mehr und noch nicht.“


3. MARIA MAGDALENA SPRICHT
Ja, ich gebe zu,
ich würde Maddalena gern fragen, wer sie war,
sie, die Apostola apostolorum, die Apostelin der Apostel.
Und höre sie gleich sagen:
„Wissen Sie denn, wer Sie wirklich sind?
Wir sind ja immer auch das, was andere von uns halten.
Wir sind immer auch die, die andere in uns sehen.“

Vielleicht würde sie erzählen,
dass sie „als allein lebende Frau Jesus nachgefolgt“2 ist
und auch nicht verheiratet war,
dass genau das aber viele Frauen gemacht haben.
Ja, ich würde Maddalena gern weiter fragen, wie das damals war
- am ersten Ostermorgen.
Und ich stelle mir vor,
sie würde sagen:

Zweite Stimme:
„Nun, er hat mich angesprochen.
Damals an diesem Morgen und überhaupt.
Was er gesagt hat, hat mich angesprochen:
    Selig sind, die sich nach Gerechtigkeit sehnen.

    Selig auch, die ihr Leid tragen.
    Und die Barmherzigen!


Wissen Sie, ich persönlich hätte keine Wunder gebraucht.
Mich haben seine Worte angesprochen.
Die Rede vom Reich der Himmel,
das keine Revolution ist,
nichts Schlagartiges,
sondern etwas, das wächst
- auch in uns und zwischen uns.
Wie ein Senfkorn, das zum Baum wird.
Das Reich der Himmel ist in uns, wohnt in uns.
Und ist doch >politisch<, wie Sie heute sagen würden.
Letzte werden erste dort,
Hungernde satt und Blinde sehen
und die Armen haben etwas zu lachen.
Aber ich will heute nicht predigen.
Ich will Ihnen nur erklären, was mich so fasziniert hat.
Und er hat mich als Mensch angesprochen, selbstverständlich,
seine Art, sein Tonfall, alles.
Als er mich dann ansprach in der Geschichte, die wir grade gehört haben,
war all das, worauf ich gehofft hatte,
alles, was mir lebenswichtig geworden war,
wieder da.
Und ich wusste: Sie haben ihn nicht tot machen können.
Er war da.
Damals in diesem Olivenhain am ersten Ostermorgen.
Und er war da - auch später.
Wenn wir zusammen waren,
wenn wir Brot und Wein und das Leben miteinander teilten.
Auf geheimnisvolle Weise,
nicht nur in Gedanken war er da,
mitten unter uns.
Und die Angst war nicht mehr da.
Nein, das stimmt so nicht,
das wäre zu vollmundig.
Natürlich hatten wir, hatte auch ich weiterhin Angst,
aber sie lähmte mich nicht mehr.
Diese verdammte Angst,
    den Mund aufzumachen,
    mein Leben zu leben, meines,
    die Angst vor einer Welt, die mir nur feindlich vorkam,

sie war nicht mehr alles.
Ich hatte eine Ahnung davon,
dass diese angst hinter einem sein kann,
>weil man selber gehört hab ich davon
so ganz wird dass nichts da ist
das fortgehen könnte für immer<3 .

Er war mitten unter uns
- seit diesem Morgen.
Und ich sah nicht mehr nur Abstieg.
>Was du als Abstieg siehst, ist Durchgang<4 ,
hörte ich ihn sagen.“


4. BONHOEFFER UNPLUGGED
So ähnlich stell´ ich mir vor,
würde Maria Magdalena mir antworten.
Und so frage ich mich,
wo er mich anspricht.
Und wann.
Und mit welchem Wort.
Und wo er mir meine Angst nun nicht wegnimmt,
wohl aber die Kraft gibt,
mich von ihr nicht lähmen zu lassen.
Und da fällt mir vieles ein:
    „Gebete und gute Gedanken,
    Bibelworte,
    längst vergangene Gespräche,
    Musikstücke,
    Bücher […]


ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt,
an dessen Realität man keinen Zweifel hat.“
Wie […] „im alten Kinderlied […]
>zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken<,“
eine „Bewahrung am Abend und am Morgen
durch gute unsichtbare Mächte“5.
Von guten unsichtbaren Mächten bewahrt.
Ich bin mir ziemlich sicher,
der österlichen Madeleine hätte das gefallen.

Amen.


13-03-31–Liturgie

Eingangslied: EG 99/RG 462
(Christ ist erstanden, T+M: Martin Luther)

Eingangs- und Osterpsalm 118,14-24
Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg
in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Die Rechte des HERRN ist erhöht,
die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des HERRN Werke verkündigen.
+ Gemeinde: EG 42,1/RG 408,1
(Dies ist der Tag, den Gott gemacht, T: Christian Fürchtegott Gellert/M: Vom Himmel hoch, da komm ich her)

Der HERR züchtigt mich schwer,
aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.
Das ist das Tor des Herrn,
die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast
und hast mir geholfen.
+ Gemeinde: EG 42,1/RG 408,1

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom HERRN geschehen
und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht,
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
+ Gemeinde: EG 42,1/RG 408,1

Kyrie(= Osterkyrie: EG 178.7)
(Der am Kreuze starb, T: Maria Luise Thurmair)

oder

„Ich höre denen zu,
die mich austrocknen,
die mich klein machen.

Ich richte mich ein
auf die langsame Gewöhnung ans Totsein
- in der geheizten Wohnung
- den großen Stein vor der Tür
Ach fragen Sie mich nach der Auferstehung!
Ach hör´n Sie nicht auf, mich zu fragen!
Herr erbarme dich.

Gloria
„Einer ist unser Leben
Licht auf unseren Wegen,
Hoffnung, die aus dem Tod erstand,
die uns befreit.“
(Lothar Zenetti)

Gebet
„Dies ist der Tag, den der Herr macht.
Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“
Um diese Osterfreud bitten wir
durch Jesus Christus, unsern Bruder und Herrn.
Amen.
Lesung:Markus 16,1-8 (Evangelium)

+ Gemeinde: EG 182,1
(Halleluja nach dem englischen „seek ye first of kingdom of the Lord)

Lied vor der Predigt: EG 114,1-5/RG 483,1-4
(Wach auf, mein Herz, T: Lorenz Lorenzen/M: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, EG 326)

Lied nach der Predigt: EG 111, 1-5/RG 474,1-5
(Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, T: Johann Heermann/M: Nikolaus Herman)

Einladung zum Abendmahl - Gabengebet

Lasst uns beten.
Himmlischer Vater,
du lädst uns ein
an den Tisch der Sehnsucht.
Heilige dieses Brot und diesen Wein,
damit sie uns Zeichen des neuen Lebens werden in Christus.
Wie aus vielen Körnern das Mehl gemahlen
und ein Brot daraus gebacken wird
und wie aus vielen Beeren gekeltert
Wein und Trank fließt,
so lass uns alle in diesem Mahl ein Leib werden,
dass wir uns einander schenken und hingeben,
wie Christus sich hingegeben hat,
als Brot des Lebens für die Welt.
Ihm sei Ehre in Ewigkeit.

Dankgebet
Herr Jesus Christus,
Schöpfer des Himmels über uns und des Himmels in uns.
Wir danken dir, dass du zu uns gekommen bist
und wir deine Gegenwart genossen haben.
Wir preisen die Nahrung von Leib und Blut,
die uns lebendig macht
und lebendig sein lässt
in dieser Welt und
über diese Welt hinaus.
Amen.

Fürbitten
Gott des Lebens, du erneuerst die Erde.
Lass unseren Mut zurückkehren,
so dass wir die Dunkelheit nicht fürchten,
Trauer loslassen können,
und unseren Blick zum Licht richten,
zur Gnadensonne Christus.
+ alle: EG 116 nur Kehrvers: „Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod. Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben. Halleluja!“

Gott des Lebens,
du erneuerst die Erde.
Du hast Sterne an den schwarzen Himmel geheftet,
und du lässt auch auf der Erde Hoffnungslichter entstehen,
so dass Gewalt und Armut nicht alles sind.
So muss unsere Hoffnung nicht schwinden!
Hebe unseren Blick zum Licht,
zur Gnadensonne Christus.
+ alle: EG 116 Kehrvers „Lasst uns lobsingen vor unserem Gott“

Gott des Lebens,
du erneuerst die Erde.
Du lässt Wasser fließen, wo Dürre herrschte,
du lässt Korn wachsen, wo das Land brach lag.
Aus dem Staub richtest du uns auf.
Erneuere unsere Hoffnung!
Hebe unseren Blick zum Licht,
zur Gnadensonne Christus.
+ alle: EG 116 Kehrvers „Lasst uns lobsingen vor unserem Gott“

Schlusslied EG 107/RG 439
(Wir danken dir, Herr Jesu Christ, T: Christoph Fischer, M: Nikolaus Herman)

Segen



1 Luise Rinser, Mirjam, Frankfurt am Main 1983, 304f
2 Luise Schottroff, Artikel Maria Magdalena, in: Wörterbuch der feministischen Theologie, 1991, 275
3 Dorothee Sölle, über auferstehung
4 Luise Rinser, a.a.O. , 332
5 Dietrich Bonhoeffer, Maria von Wedemeyer, Brautbriefe Zelle 92, München, 1994, S. 208

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